DIPLOMARBEIT -450 METER: Ziel meines Bildbands ist es die Dimensionen und Auswirkungen der Braunkohleindustrie, an Hand des rheinischen Reviers zu zeigen. Um einerseits die Frage der Verhältnismäßigkeit in den Raum zustellen, gerade im Kontext der Energiewende und des Klimawandels. Aber auch um ein Bewusstsein für den eigenen Stromverbrauch zu wecken, in dem meine Arbeit zeigt, was für ein gigantischer Prozess im Hintergrund abläuft, damit Strom aus der Steckdose kommt. Gerade in Köln, wo der Braunkohlebergbau und fünf Großkraftwerke lediglich 30 Kilometer Luftlinie entfernt liegen. Aber auch für Deutschland, da Braunkohle vor Atomkraft und Steinkohle den größten Anteil an der deutschen Stromerzeugung hat.

 

GESTALTERISCHE ARBEIT: Der Bildband zeigt auf 40 Doppelseiten die stärksten Auswirkungen und Dimensionen der Braunkohleförderung und -verstromung. Dafür werden drei Informationsebenen genutzt: eine fotografische, textliche und grafische Ebene.

 

Aufbau und Bildsprache: Der Bildband ist nach dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit gegliedert. Die ökonomische Dimension wird anhand der Verstromung bzw. den Kraftwerken gezeigt, die soziale Dimension anhand der Zwangsumsiedlungen und die ökologische Dimension anhand der Tagebaue. Jedoch ist eine strenge Trennung der Nachhaltigkeitssäulen nicht möglich, d.h. auf allen Foto-, Grafik- und Textseiten sind alle Dimensionen in unterschiedlichem Maß erkennbar.

 

Der Titel -450 Meter auf dem Cover geht auf einen Teil der Ausmaße ein – die Abbautiefe. Das Schwarz des Buchumschlags und des Coveremblems, gehen auf den Rohstoff selbst ein. Das Emblem zeigt die Silhouette eines Braunkohlebriketts, sowie Schlägel und Eisen und den Titel selbst.

 

Ökonomische Dimension / Kraftwerke: Signifikantes Bildelement bei der Verstromung ist der wolkenlose, blaue und sauber wirkende Himmel. Der nur durch Oberleitungen und Wasserdampf durchkreuzt wird – abgesehen von der gewaltigen Kraftwerksarchitektur. Die wiederum durch ihre hellen und glatten Fassaden und die fehlenden Schornsteine eine saubere Technik suggerieren - gerade gegenüber alten Kraftwerken, denen nach wie vor ein bedrohlicher Charakter anhaftet. Zusätzlich wird diese Wirkung durch die Werbeästhetik und den geordneten Bildaufbau der Fotos gefördert. Einige Bilder geben dem Kraftwerk sogar eine kathedralenhafte und majestätische Anmutung und zeigen sie also auf eine verherrlichende Art.

 

Diese verherrlichende Darstellungsweise erscheint im Kontext der Diplomarbeit paradox. Es ist jedoch eine Täuschung, wenn angenommen wird, dass bei der Gestaltung eine Verherrlichung des Themas eine Rolle gespielt hat. Die Ästhetisierung kommt alleine dadurch zustande, dass gezeigt wird wo das CO2 global und kostengünstig entgelagert wird – in der Atmosphäre. Es wurde also der Versuch unternommen, das unsichtbare CO2 wahrnehmbar zu machen.

 

Soziale Dimension / Zwangsumsiedlung: Bei den Zwangsumsiedlungen ist hauptsächlich das Dorf Pier bei Inden zu sehen. Es wurde zwischen März 2012 und Januar 2013 die Zerstörung dokumentiert, zusehen sind verschiedene Bilder, die diese Veränderung zeigen. Der Himmel ist immer kurz vor oder nach einem Regenschauer gewählt, das schafft eine triste, beklemmende Traueratmosphäre und gibt den Zwangsumsiedlungen ihre Stimmung. Die Gebäude wurden nicht typologisiert, da es nicht um die einzelnen Häuser und deren Charakter geht, sondern um die Auswirkungen des kollektiven Stromkonsums und um das, was in der Werbebroschüren nicht gezeigt wird.

 

Ökologische Dimension / Tagebaue: Die Bilder der Braunkohleförderung zeigen die drei Tagebaue. Zu sehen sind künstliche Landschaften und Detailaufnahmen der Landverformung und –umschichtung, bzw. Zerstörung. Das bedeutet, nicht die Maschinen und die technische Beherrschbarkeit oder die Arbeiter stehen im Vordergrund, sondern das Ergebnis – der exorbitante Eingriff in die Landschaft.

 

Es wurde bewusst auf den Horizont verzichtet, um eine Unendlichkeit zu erzeugen – das Ausmaß der Zerstörung ist endlos. Der Horizont wird durch zwei Varianten aufgelöst, einmal durch Bodennebel, der ihn verschwinden lässt und einmal durch den gewählten Bildausschnitt. Bei der ersten Variante wurde darauf geachtet, dass mehr Boden als Himmel zu sehen ist. Dadurch wird der Eingriff in die Erde deutlicher und der tiefer sitzende Himmel erzeugt eine bedrückende Atmosphäre.

 

DIPLOMTHEORIE: Die 50-seitige Diplomtheorie begleitet die Gestaltung des Bildbands -450 Meter und liefert das theoretische Fundament der Arbeit. Dabei wird im ersten Kapitel auf das Braunkohlevorkommen allgemein eingegangen, um anschließend den rheinischen Braunkohlebergbau und die Stromerzeugung mittels Braunkohle nach den Kriterien der Nachhaltigkeit zu untersuchen. Des Weiteren wird die Zukunft des Energieträgers herausgearbeitet und die Darstellungen der RWE Power AG in ihrer Broschüre "POWER:PERSPEKTIVEN 2011" zum gleichen Thema aufgezeigt. Außerdem wird auf die Akzeptanz und die öffentliche Wahrnehmung der Braunkohleindustrie eingegangen und diese mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Atomenergie verglichen.

 

Im nächsten Kapitel werden zwei Fotobücher, ATOMKRAFT von Thorsten Klapsch und BERGWERKE UND HÜTTEN von Bernd und Hilla Becher, auf ihre Art der Darstellung hin untersucht, um auf gestalterische Möglichkeiten zu verweisen, die bestimmte Stimmungen und Aussagen erreichen bzw. nicht erreichen, die für die Gestaltung des Bildbands -450 Meter relevant sein können.

 

Im Kapitel 3 wird detailliert auf die Gestaltung und Umsetzung der herausgearbeiteten Themen eingegangen, die Anlass zu dieser Arbeit waren. Im Fazit wird zusammenfassend auf die Ergebnisse der vorherigen Kapitel eingegangen und daraus die Frage der Verantwortlichkeit erörtert.

 

Download: Mit diesem Link können Sie sich meine Diplomtheorie downloaden (3,5 MB): -450 meter diplomtheorie.pdf

DIPLOMARBEIT

DIPLOMARBEIT I -450 METER

 

AUFTRAGGEBER I Studium

ART I Dokumentarische Fotografie

ZIEL I Kommunikation der Auswirkungen durch die Braunkohleverstromung

JAHR I Februar 2012

ORT I Köln